Früher war meine Welt als Investor klar: Ich habe oft gute Kursgewinne erzielt. Damals war der Firmenwert eine verlässliche Zahl, die Bilanzen schienen unverfälscht. Wenn das Geschäftsumfeld passte, stiegen die Aktien. Meistens stieg ich ein, wenn die Aktien weit unter den Buchwert lagen. Doch diese berechenbare Strategie gehört der Vergangenheit an.
Heute erleben wir eine andere Ära: CEOs verwässern Bilanzen, Mitarbeiter werden zur reinen «Ressource» degradiert, die sich kaum noch mit dem Unternehmen identifiziert. Verwaltungsräte agieren oft wie treue Lakaien von Grossinvestoren und schleusen Geschäfte an den Kleinaktionären vorbei.
Richtige Sanierer gibt es kaum noch; die Strukturen sind undurchschaubar geworden. Meine alte Anlagestrategie ist hinfällig – ich habe konsequenterweise alle Aktien der GfIE übertragen, wo es um Human Imagination geht statt um reine Profitmaximierung.
Der Fall Oerlikon 2026: Ein industrielles Juwel wird versilbert Oerlikon ist in der Beschichtungstechnologie zwar Weltmarktführer, doch statt echter Innovation sehe ich eine Strategie, die eher an ein Casino erinnert: Startups kaufen, aufhübschen und wieder abstossen. Das Herzstück – die Barmag – ist jetzt weg. Ein echtes industrielles Juwel mit 100-jähriger Geschichte und Weltmarktführerschaft bei Chemiefaser-Anlagen wurde verkauft.
Auf der GV 2026 in Rapperswil werde ich mein Votum abgeben. Ich will nicht den schnellen Cashflow für Grossaktionäre und die Boni der Teppichetage sondern eine Zukunft.
Auf der GV hat Herr Süss die Situation erläutert: Beim Verkauf sollen die Aktionäre eine Rückzahlung erhalten. Zudem sei ein Industriekonglomerat in der heutigen Zeit nicht mehr überlebensfähig, da Fonds genau wissen müssen, was sie kaufen, und gezielt nach ‚Global Playern‘ suchen. Auf meinen Vorwurf von Lug und Betrug reagierte er sehr angegriffen. Drei Wochen später führten wir dazu ein persönliches Gespräch. Ich bewerte diesen Austausch rückblickend als Versuch, mich einzuhegen

