Ein trauriger Anlass führt mir die Ungerechtigkeit unseres Gesundheitssystems vor Augen: Eine Bekannte erkrankt an Lungenkrebs, erhält die Standard-Chemotherapie und stirbt. Eine andere Bekannte kann sich für eine Million US-Dollar eine spezialisierte Behandlung in den USA leisten – und lebt. Diese Kluft zwischen medizinisch Möglichem und finanziell Erschwinglichem ist das zentrale Paradoxon unserer Zeit.
Wenn Patente für teure Krebstherapien auslaufen, schlägt die Stunde der Generika- und Biosimilar-Hersteller wie Sandoz. Für das Unternehmen, eine traditionsreiche Abspaltung von Novartis, die nun frisch als eigenständige Aktiengesellschaft am Markt ist, bedeutet dies einen riesigen Wachstumsmarkt. Doch während wir uns als Aktionäre über eine Dividende von 0,80 CHF freuen, bleibt Krebs für viele ein „grausames Sterben“, weil die Therapiekosten von oft 90’000 CHF pro Jahr für die Gesundheitssysteme kaum noch tragbar sind.
Gesundheit darf kein Privileg der Reichen sein. Wo die Schulmedizin zu teuer wird, tummeln sich oft Quacksalber mit falschen Versprechen. Echte Hilfe bietet jedoch nur die wissenschaftliche Forschung und der Zugang zu modernen Medikamenten. Damit Biosimilars diesen Zugang ermöglichen, braucht es teure Produktionskapazitäten und enorme Skaleneffekte, um die Preise drastisch zu senken. Doch die Abhängigkeit ist groß: Über 90 % der Vorstoffe kommen derzeit aus Asien – ein Risiko für die krisenfeste Versorgung schwerkranker Patienten in Europa.
Ein Bekannter übertrug mir seine Zutrittskarte für die Generalversammlung in Basel. Dort habe ich die kritische Frage gestellt: Ist Sandoz wirklich die Lösung oder nur ein etwas günstigerer Teil eines unbezahlbaren Systems?

