Solidaritätstag im Aarau

Gewerkschaften, die Juso und die SP aus dem Kanton Aargau haben im Arbeiter Strandbad Tennwil einen Solidaritätstag veranstaltet.

Einen schönen Tag am See verbringen, miteinander sprechen, gut essen, mit der Familie zusammen sein und etwas für die politische Bildung tun. So haben wir den Anlass empfunden. Wir sind nach Tennwil gefahren, um die Reden von Tamara Funiciello, Präsidentin der Juso und von Gregor Gysi, Präsident der europäischen Linken zu hören.

In ihrer Rede hat Frau Funiciello stark die Zustände angeprangert und das Flüchtlingsproblem auf eine polemische Art verdeutlicht, indem sie verschiedene Namen genannt hat, die kämpfen müssen. Bei einer Reflexion musste ich mir Feigheit in vielen Fragen eingestehen.
Redeabdruck von Tamara Funiciello

Gregor Gysi hat die politischen Erfahrungen in Deutschland auf eine leicht ironische Weise geschildert. Er meinte, dass Europa eine Enklave benötigt und dies sollte die Schweiz sein. Gleichzeitig hat er aufgezeigt, warum die Linke international sein muss. Eine Aussage die mir in Erinnerung bleiben wird, ist, um Armen zu helfen, darf man nichts von den eigenen Armen nehmen. Wir haben das Redeskript hier, um die Gedanken nachzuvollziehen
Rede Gregor Gysi Manuskript zum Download

Der Konflikt zu den Reichen zieht sich durch die Politik der Linken. Ein Kampf ist nötig, dennoch müssen wir aufeinander zugehen. Auch den Reichen muss klar werden, dass Solidarität zwischen Reich und Arm sowie Umverteilung allen hilft. Es braucht Demokratie, auch in der Wirtschaft, aber auch mehr Fantasie und Engagement aller Bürger. Vor allem ist es fahrlässig, den Grossteil der Menschen jeglichen Einfluss abzusprechen.

Credit Suisse GV Transparenz

Bei der Credit Suisse wollen wir an der Generalversammlung 2018 wissen, wie es mit Anlageprodukten aussieht, welche den Kunden verkauft werden. Zum Thema folgende Problemstellung:

Werden die Produkte nicht unnötig kompliziert, wer prüft die Risiken, wer entscheidet über die Aufnahme ins Portfolio und versteht diese wirklich der Kunde? Strukturierte Anlageprodukte habe ich immer als sehr verwirrend empfunden.

Ich denke es ist an der Zeit, Dinge wieder einfacher und leichter verständlich zu konzipieren. Damit werden schlussendlich Risiken minimiert, denn die Produkte können leichter geprüft und erklärt werden. Aus einen Buch von Robert Misik habe erfahren müssen, dass es für die Bankprodukte keinerlei externe Kontrolle gibt.

Den Vortrag gestaltete ich mit meinen Lied «Auf zur Bank», die Gitarre wurde nicht erlaubt, ich musste also singen, dafür konnten sich die Zuhörer mehr auf den Text konzentrieren, die letzte Strophe habe ich nicht vorgetragen, die finden Sie auf meiner Webseite (es hat drei Versionen)
www.zurfluh.de

Ich stellte die Fragen nach Verständlichkeit, Transparenz und externe Kontrolle der Anlageprodukte, die sehr allgemein beantwortet wurde. Zum Punkt «externe Kontrolle» musste ich mangels Antwort nachhaken, Urs Rohner meinte es gibt keine externe Kontrolle.

Das wäre doch eine Chance für ein NGO Banken zu zertifizieren, wie dies auch bei Fairtrade Produkten der Fall ist. Viele Geschäfte gerade für Grossunternehmen werden durch Banken ermöglicht. Das könnte auch den Banken helfen Risiken zu minimieren.

Es hatte gute Redner zur Vergütung und verantwortungsvoller Geschäftspolitik. Der letzte Redner traute sich sogar, die Aktionäre zu bitten, statt abzustimmen den Saal zu verlassen und somit den Unmut über die riesigen Managerbezüge zu äussern. Wir haben zu zweit den Saal mit den Füssen abgestimmt, obwohl alle 1178 Aktionäre lediglich 1% der Stimmen vertreten haben.

2019 hatte ich ein Lied zu Mosmbik entworfen. Am Ende suche ich auch hier eine Möglichkeit die Bildung zu fördern. Alfred Escher hat mit Gründung der Schweizer Kreditanstalt den Wohlstand initiiert, hier mein Redebeitrag und die folgenden Details an die Investorrelations
Credit Suisse -> Credit Mosambik?

Generalversammlungen sind ein Mittel demokratischer Kontrolle, auch wenn gilt, wer zahlt befiehlt. Wir leben jedoch in Demokratien, wo Mehrheiten entscheiden. Daher ist eine verantwortungsvolle Unternehmensführung wichtig sowie die Akzeptanz in der Gesellschaft. Wie sich die Wirtschaftsdemokratie entwickeln wird, wissen wir nicht, es bleibt zu hoffen, dass Generalversammlungen transparenter werden und die Unternehmensführung dort ehrlich informiert. Diesen Eindruck hatte ich von der Credit Suisse nicht. Die Anzahl Voten wird von den Teilnehmern kritisiert, Klima, Mosambik und Abzocker wurden mehrmals debattiert. Doch stattdessen sollten die Buffets vorher eröffnet, denn für viele Aktionäre ist eben auch das Essen wichtig.

Die Generalversammlung ist sehr gut organisiert gewesen, die Mitarbeiter zeigten sich sehr engagiert und ich konnte viele konstruktive Gespräche führen. Gerne komme ich wieder an die Generalversammlung der Credit Suisse.

Schmolz + Bickenbach GV Verantwortung

Schmolz + Bickenbach hat einst die Von Moos Stahl in Emmenbrücke, Kanton Luzern übernommen und anscheinend nach Luzern seinen Hauptsitz verlegt. Der Kanton Luzern hat im Steuerwettbewerb die günstigsten Gewinnsteuern für Kapitalgesellschaften ausgewiesen.

Vor Jahren hatte ich noch auf möglichst hohe Steuervorteile für Unternehmen geachtet. Mittlerweile hat sich meine Meinung, Unternehmen sollte genauso wie Privatpersonen zu den staatlichen Kosten beitragen, zumal diese immer weniger Mitarbeiter beschäftigen.

Letztes Jahr wollte der Kanton wegen fehlender Finanzmittel die Krankenkassen Unterstützung, die sogenannte Prämienverbilligung nicht mehr bezahlen. Viele Familien können sich die Krankenkassen nicht leisten und der Staat springt hier ein. Es wurde eine Lösung gefunden, doch wie lange kann ein Staat sparen?

Auf unsere Anfrage haben wir vom Verwaltungsrat Edwin Eichler eine ausweichende Antwort bekommen. Er hat darauf hingewiesen, dass die Bürger demokratisch die Steuern beeinflussen können und Unternehmen dies akzeptieren. Kein Wort, dass immer Steueroptimierungen gesucht werden und auch keine Meinung, ob es denn richtig sei, dass mittlerweile Privatpersonen prozentual höher belastet werden als Unternehmen, vor allem wenn die Kosten für Sozialversicherungen berücksichtigt werden.

Für das nächste Jahr haben wir schon unser Thema. Obwohl der Verwaltungsrat von 7 auf 6 Personen verkleinert wurde, bleibt die Vergütung in gleicher Höhe von ca. CH 4 Mio. Es wurde nicht erwähnt, dass somit eine Lohnerhöhung erfolgt. Das ist insbesondere verlogen, wo doch das Unterrnehmen ein grosses Sparprogramm verfolgt.

Folgende kurze Rede hielt ich an der Generalversammlung 2019 von Schmolz und Bickenbach für das Jahr 2019, nach der ersten Strophe und den Refrain von meinen Lied Anstand
www.zurfluh.de/anstand

Still hat der Verwaltungsrat den Lohn erhöht
weil das einfach so geht
Die Vergütung von 7 auf 6 blieb gleich
und machte jeden Verwaltungsrat reich
bei den Arbeitern wird rationalisiert
und der Aktionär langfristig profitiert
Gerechtigkeit wo ist der Sinn
biegen wir das wieder hin
nächstes Jahr die Arbeit günstiger verrichten
das bezwecke ich mich mit den dichten

In der Antwort wurde ausgeführt, dass seinerzeit über den Maximalbetrag abgestimmt wurde. Im Geschäftsjahr 2018 wurde dieser nicht ausgeschöpft. Die Aktionäre profitieren nicht, der Aktienkurs blieb tief und es wurde keine Dividende bezahlt. Jedoch leidet der Konzern immer noch an einer Akquisestrategie von Werken, die nicht ins Unternehmen passten und überbezahlt waren. Stattdessen haben die Arbeitnehmer profitiert, mehr Stellen und eine Lohnerhöhung in den meisten Fällen. Nur mit Arbeitnehmer findet auf der GV kein Dialog statt, deren Ansichten werden selten gehört.

Nestlé GV – ein Dialog beginnt

Zur Nestlé GV 2018 wollte ich ursprünglich den Antrag stellen 1% vom Gewinn für die Bildung in Afrika einzusetzen. Nachdem ich mich über die bisherigen Anstrengungen, Ergebnisse und Vorschläge der Entwicklungsarbeit eingelesen hatte, wählte ich die Option zur Weiterbildung. Den Antrag stellte ich Nestlé im Vorfeld zu, worauf in einen zweiseitigen persönlichen Brief die Bildungsunterstützung aufgezeigt wurde. Daher wollte ich die Diskussion direkt mit den Unternehmen weiterführen wollte und zog den Antrag zurück.

Dennoch besuchte ich die Nestlé GV und es demonstrierten Leute gegen Wasserdiebstahl in Brasilien und Ungerechtigkeiten. Ich habe den Demonstranten angeregt, doch in die GV zu gehen und das Anliegen vorzutragen. Mir wurde gesagt, dass Verwaltungsrat und Geschäftsleitung und auch das Publikum eher gelangweilt auf solche Vorstösse, ich könnte es ja machen und den Brief vorlesen.

Für mich hat das irgendwie gepasst, denn ich wollte reden, hatte kein Thema und warum nicht? Die Registrierung war unkompliziert, es hat einen Platz vorne gegeben und ich habe meine Rede gehalten. Kurz, auf dem Punkt gebracht und statt einer Frage, um Prüfung des Falles gebeten.

Den Leuten hat das gefallen, ich nun sehr motiviert für weitere Auftritte. Nach meiner Rede habe ich viel mit den Helfern (oft Mitarbeiter) gesprochen, einen feinen Apéro genossen und eine stimmungsvolle Heimfahrt mit anderen Aktionären im Zug gehabt.

Die folgende Kommunikation gestaltete sich schwierig, die NGOs lieferten keine Fakten und die Diskussionen sind deswegen im Sande verlaufen. Allerdings hat sich mein Verständnis für viele Fragen erweitert.

Bei der GV 2019 hatte ich die ursprüngliche Idee der Weiterbildung wieder aufgegriffen. Ich bin sicher, dass es zielführende Gespräche geben wird. Dazu habe ich ein Lied zu Plastik geschrieben, doch das eigentliche Problem ist fehlende Bildung.
Lied zu Plastik

Meine Rede oder besser das Lied und Gedicht ist bei den meisten Aktionären gut angekommen. Vor allem ist das Thema Bildung als Lösung für viele Probleme akzeptiert. Nun möchten wir Gespräche mit den Konzern führen und auch Regierungen einbinden.